Hier mein abschliessender Beitrag zur Diskussion über die Jagd im Forum von H. Kaplan:
Herzlichen Dank für Ihren ermutigenden Kommentar, Herr Kaplan, dem ich aber leider trotz des hochtrabenden Anspruchs immer noch keinerlei konkrete Alternativen zur Jagd entnehmen kann.
Wie Sie selber betonen, sprechen Ihre Überlegungen vor allem die jüngere Generation an. Dieselbe Generation, die Daniel Küblböck, bunte Handy-Logos und die alles entscheidende Relevanz der richtigen Kleidermarke zu ihren primären Lebenszielen erkoren hat. Meinen Glückwunsch.
Scherz beiseite: Die Diskussion auf Ihrem Forum war bis auf wenige Ausnahmen erfrischend nüchtern und respektvoll, weshalb ich Ihnen nochmals meinen Dank aussprechen möchte.
Da das Thema Jagd auf diesem Forum m. E. nichts mehr hergibt – vor allem weil mir zwar jede Menge zweifelhafte ethische Sprüche aber keinerlei praktische, ökologisch oder wildbiologisch relevante Argumente präsentiert werden – erlaube ich mir als definitiv abschliessenden Beitrag (ich fahre in Kürze in Urlaub) folgende Absage an die Tierrechtlerei zu veröffentlichen. Anders formuliert :
Wieso ich kein Tierrechtler bin...
Das grossartige Aufplustern der Tierrechtlerei zum „Antispeziesismus“, und somit zum trendigen Gutmenschenbegriff von einer ethisch-moralischen Qualität eines Antirassismus oder Antisexismus, ist für meine Begriffe schlicht gefährlicher Unsinn. Wir Menschen haben es nach Jahrhunderttausenden endlich geschafft, dass der Schutz unserer Minderheiten - Kranke, Behinderte, Alte - zum allgemein anerkannten ethischen Gebot werden konnte. Eine der Grundbedingungen hierfür muss aber in unserer Emanzipation als eigene Art gesehen werden, die sich ethisch-rechtlich über das Tier hinausentwickelt hat – wobei diese Entwicklung gerade auch durch die Tiernutzung erst möglich wurde. Die geforderte Gleichsetzung Mensch-Tier würde diese positive Entwicklung wieder zunichte machen.
Vor allem würde angewandter Speziesismus zu einer völlig unübersichtlich verzweigten Nischen-Gesellschaft zahlloser gleichberechtigter Minderheiten führen, in der unsere menschlichen Minderheiten nur einige wenige unter sehr, sehr vielen wären. Unsere Alten, Kranken, Behinderten oder auch unsere ethnischen Minoritäten würden sang- und klanglos untergehen zwischen den Interessen all der Orang-Utans, der Bonobos, der Süsswasserdelphine, Termiten, Riesenschildkröten, Kanalratten, Koalabären, Blattschneideameisen, Spitzmäusen, verwilderten Hauskatzen….. etc. etc. Alles Gattungen, denen eine wahrhaft antispeziesistische Gesellschaftsform mit keinem Argument eine ebenso bemühte und intensive Förderung wie der unseren vorenthalten könnte.
Wozu dies in der Praxis führt, hat vor Jahren schon mal dieser ulkige Peta-„Philosoph“ Peter Singer angedeutet, als er laut darüber nachdachte wieso eigentlich Behinderte oder Kranke oder Säuglinge mehr Rechte haben sollten als gesunde Säugetiere wie Affen, Pferde oder Hunde. Ein konkretes Beispiel: Wieso eine Million € für ein Heim für ein oder zwei Dutzend menschlicher Behinderter ausgeben, wenn ich für die gleiche Summe hundert oder zweihundert Berggorillas ein sicheres, artgerechtes Biotop verschaffen kann? Für einen „normalen“ Menschen keine Frage, für einen praktizierenden Antispeziesisten aber ein Problem, das er – TR-logisch abwägend – nur auf Kosten der Menschen lösen könnte.
Ebenso wenig wie ein Individuum, dessen stärkster Instinkt nicht der Selbsterhaltungstrieb wäre vor der Evolution bestehen könnte - ebenso wenig könnte eine ganze Spezies sich evolutionär behaupten, die nicht ihre eigenen Interessen vor denen anderer Gattungen vertritt. Ohne Not und ohne Aussicht auf Gegenleistung sämtliche mühselig in Jahrhunderttausenden der Evolution abgetrotzten Vorrechte des Menschen jetzt wieder aufzugeben, ist daher eindeutig kontraproduktiv, 100%ig konträr zu jeglicher evolutionärer Erfahrung, ja aus der Perspektive der Natur geradezu obszön dumm. Es wäre der letzte und tödlichste Fehler, den eine Gattung begehen könnte. Wie ich schon einmal auf diesem Forum sagte: Die Evolution verzeiht keine Rolle rückwärts, ganz egal aus welch „ehrenwerten“ ethischen Motiven heraus. Auch dem Menschen nicht. So weit abgehoben und ausgeklinkt aus allen evolutionären Prozessen sind wir noch lange nicht. Und ich glaube nicht, dass wir dies jemals anstreben sollten. Zumindest nicht, wenn wir weiterhin Menschen bleiben möchten.
Wie Antispeziesismus konkret in der gesellschaftlichen Praxis aussehen könnte, wird ebenfalls nicht verraten. Es wird von Rechten gesprochen, die wir Menschen aufgeben, zumindest aber teilen sollen. Gut. Wie aber steht es um die Pflichten? Ich kann einen Brauerei-Gaul ehrfürchtig siezen und ihm dieselben Rechte vor Gericht einräumen wie einem Menschen, aber aus evidenten Gründen könnte ich niemals die gleichen Pflichten wie die mir auferlegten von ihm verlangen. Schon allein hier zeigt sich, dass dieses ganze kranke Gedankenspiel einzig auf Kosten des Menschen laufen könnte. Insofern wäre es unsere Gattung, die nun ihrerseits die Folgen eines zugunsten der Interessen der Tierwelt arbeitenden „neuen“ Speziesismus zu spüren bekäme. Die mit allerlei grossartigen und edlen Sprüchen übertünchte aber nun einmal system-inhärente Menschenfeindlichkeit liegt demnach auf der Hand.
Innerhalb unserer Spezies gelten Begriffe wie Solidarität, Gleichberechtigung, Mitleid, freier Wille, etc. Diese Begriffe auf die Tierwelt auszuweiten würde schlicht bedeuten, die Darwinsche Realität evolutionärer Tatsachen mit Hilfe von Disney-Cartoons hinweg halluzinieren zu wollen. Die Welt der Tiere ist einzig auf evolutionäre Effizienz ausgelegt, und kann auch nicht anders funktionieren. Moral, Ethik oder auch nur einen freien Willen gibt es dort in unserem Sinne nicht. Die Welt des Menschen und die des Tieres lassen sich daher nicht mehr miteinander vermischen. Dies würde entweder den Untergang der Tiere bedeuten, oder aber die Übernahme „eiskalter“ evolutionärer Kriterien auf den Menschen. Eugenik, Zuchtauslese und am Ende auch Auschwitz liessen mal wieder grüssen.
Vollkommen unausgegoren auch die Tragweite des formulierten Gesellschafts-Ideals. Welche Tiere sollten dem Menschen rechtlich-ethisch gleich gesetzt werden? Nur höhere Säugetiere? Alle Wirbeltiere? Oder gar überhaupt alles Lebendige? Das Dilemma: Die geringste Einschränkung würde von Anfang an die Bankrotterklärung des eigenen, ach-so-hehren Ideals bedeuten, während keinerlei Einschränkung nur das Chaos noch unübersichtlicher machen und das Ende jedweder lebensfähigen Gesellschaft nur um so schneller und unausweichlicher mit sich bringen müsste.
Fortschritt? Egal ob auf kulturellem, auf wissenschaftlichem oder auf technischem Gebiet – stets war Fortschritt bisher auf die Interessen unserer Spezies hin gerichtet und somit von Richtung und Zielsetzung her klar definiert. In einer derart Interessens-diversifizierten, chaotischen Welt wie der antispeziesistischen aber wäre Fortschritt nicht mehr möglich, da jegliche Weiterentwicklung dieser oder jener Spezies mehr nützte als einer anderen oder einer dritten gar zum Nachteil gereichte. Selbst die Einführung des Feuers oder die Erfindung des Rades wären in einer streng antispeziesistischen Welt ethisch nicht vertretbar, da beides zur Unterjochung und zum direkten Nachteil anderer Arten einsetzbar ist.
Tierrechtler predigen mit honigsüssen Worten den „Frieden mit der Kreatur“; in Wirklichkeit aber legen sie die Basis für eine Auflösung jeglicher Gesellschaft und darüber hinaus für einen Konflikt zwischen Mensch und Tier gegen dessen Auswirkungen alle Missstände der aktuellen Tiernutzung geradezu lächerlich anmuten würden. Denn Mensch und Tier wären am Ende keine „Freunde“ oder „gleichberechtigten Partner“, sondern nur Konkurrenten. Und wie dieser Krieg um die Futtertröge ausgehen würde, liegt auf der Hand.
Tierschutz - das vorgebliche Primärziel aller Tierrechtler - wäre nicht mehr möglich. Schützen kann ich etwas oder jemanden nur, wenn ich von einer „höheren“ Warte aus handeln kann. Bewege ich mich auf derselben Stufe, kann man den Schutz vergessen, ja er wäre womöglich nicht mehr zu vertreten, da eigenen Interessen in nicht vertretbarem Ausmass widersprechend. Denn die Gattung Mensch wäre ja nur eine von vielen, die alle irgendwie zusehen müssten, wie sie in der schönen neuen Dschungelgesellschaft der universellen Gleichstellung zurechtkommen. Das einzige irgendwie sinnmachende „Recht der Tiere“ besteht m.E. in einer möglichst artgerechten Behandlung durch den Menschen und den Respekt ihrer artspezifischen Bedürfnisse, so weit diese unseren eigenen Interessen nicht in einer unangemessenen Weise zuwiderlaufen. Was alles eine Nutzung der Tiere in vielen Fällen nicht ausschliesst. Andere, womöglich weitergehende Kriterien bei der Behandlung von Tieren sind weder evolutionär zweckmässig noch ethisch angebracht, da nicht im Interesse von Tier oder Mensch.
Fazit: Antispeziesismus ist eine absurde Spinnerei von Phantasten, die den Kontakt zur Natur und zu ihren eigenen menschlichen Wurzeln unwiederbringlich verloren haben. Das Resultat einer übersättigten, von jeglichen natürlichen Zusammenhängen entfremdeten Gesellschaft - möglicherweise weil sie schon seit 2 oder 3 Generationen ihr Fleisch, ihre Eier und ihre Milch aus dem Supermarkt bezieht und mit Medienerzeugnissen auf süsslich-verfälschendem Kindchen-Schema-Niveau überflutet wird. Das ist alles.
Mit definitiv speziesistischen Grüssen verabschiedet sich Ihr Rosenzüchter
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