Rumpelstilzchen meets Rudolf Scharping…
Wer sich in unserer menschlichem Leid gegenüber erstaunlich gleichgültigen Gesellschaft öffentlichkeitswirksam für Tiere einsetzt, kann sich automatisch im Recht fühlen und dazu noch sehr edel. Das lenkt manchmal von persönlichen Problemen ab, in einigen Fällen gar von der Unfähigkeit mit dem eigenen Leben fertig zu werden. Das allein ist noch nicht unbedingt schlecht, so lange das, was in diesem Zusammenhang als Tierschutz bezeichnet wird, diese Funktion auch tatsächlich erfüllt, und sei es meinetwegen als blosser Kollateralnutzen der Selbstinszenierung als Bessermensch.
Wer aber den Schritt weitergeht und den klassischen, mit lästiger Arbeit verbundenen Tierschutz im Austausch gegen den nur mit Worten und rein virtuell geführten Kampf für das “Tierrecht” hinter sich lässt, kann diese mediale Selbsterhöhung in ungleich grösserem Ausmass geniessen - umso mehr als sich die Viecher praktischerweise nicht gegen eine bestimmte Art von “Freunden” wehren können. Hat man sich erst mit einigen „enthüllenden“ oder „schockierenden“ Sprüchen - deren Wahrheitsgehalt übrigens um so unwichtiger ist je extremer sie formuliert sind - sowie möglichst derben Anfeindungen als unversöhnlicher Kämpfer für die „gute Sache“ positioniert, genügt es fürderhin nur noch etwas Schaum zu schlagen - und schon fällt keiner Sau auf, dass die aufgewandte Energie, vor allem aber der konkrete Nutzen für Tiere gleich Null sind. Letzteres schon allein wegen der simplen, freilich nur einer Minderheit bewussten Tatsache, dass Tierrechtlerei mit Tierschutz als solchem nicht das Geringste zu tun hat, ja ihm in essentiellen Fragen widerspricht.